Tierschutz Wildtiere - Achtung: Nicht jedes junge Wildtier braucht Hilfe! Das Deutsche Tierhilfswerk warnt vor „unangebrachter“ Tierliebe

Dienstag 19. April 2005.
 

Deutsches Tierhilfswerk e.V., Deutschlands große Tier- und Artenschutzorganisation

München, Jedes Jahr im Frühjahr kommt es zu den gleichen Szenen: Spaziergänger entdecken ein allein gelassenes Jungtier und wollen es aus Unkenntnis „retten“. Vielfach werden die vermeintlich in Not geratenen Tiere von den Spaziergängern angefasst oder gar mitgenommen. Wildtierauffangstationen sind regelmäßig im Frühjahr überfüllt mit abgegebenen jungen Wildtieren.

Elfriede Ishak vom Deutschen Tierhilfswerk in München weist darauf hin: „Junge Wildtiere, wie Feldhasen, Jungvögel oder Rehkitze, benötigen in den seltensten Fällen menschliche Hilfe. Die Jungtiere werden meistens von den Muttertieren nur kurze Zeit allein gelassen. Was gut gemeint ist, kann die Überlebenschancen der Jungtiere erheblich verschlechtern.“

Bei Feldhasen ist es sogar üblich, dass die Junghasen alleine auf dem Feld sitzen, da die Häsin die Jungtiere nur in großen Zeitabständen für wenige Minuten zum Säugen aufsucht. Die einzelnen Junghäschen befinden sich dabei verstreut im Gelände, um es ihren natürlichen Feinden schwerer zu machen.

Tierfreunde sollten bedenken, dass von Menschen groß gezogene Wildtiere nicht gelernt haben, ihr Futter selbst zu suchen und zu finden. Diese Tiere werden häufig zeitlebens auf den Menschen angewiesen sein.

Elfriede Ishak vom DTHW e.V. warnt deshalb: „Im Gras liegende Rehkitze, Hasen, Frischlinge oder andere Haartiere bitte nicht anfassen! Im Gegensatz zu Jungvögeln überträgt sich bei den Rehkitzen der menschliche Geruch bei einer einzigen Berührung und führt dazu, dass die Mutter durch den Geruch abgeschreckt wird und das Jungtier verlässt."

Hilfe brauchen junge Wildtiere nur dann, wenn sie schwer verletzt sind oder sich in großer Gefahr befinden. Nur zweifelsfrei verwaiste Tierkinder sollten zur nächsten Wildtierstation, zum Tierarzt oder zum nächsten Jagdausübungsberechtigten gebracht werden. Außerdem ist den wenigsten Tierfreunden bewusst, dass sie Jagdwilderei begehen, indem sie ein Wildtier aufnehmen, das dem Jagdrecht unterliegt. Hunde sollten in der Brut- und Setzzeit beim Gassi gehen grundsätzlich angeleint werden.