
Bundesfamilienministerin Renate Schmidt und Landesfamilienministerin Birgit Fischer wollen Erziehungskompetenz von Familien stärken
(BMFSFJ) Die Erziehung von Kindern findet an erster Stelle in der Familie statt. Die Bedingungen für das Aufwachsen von Kindern haben sich in den letzten Jahrzehnten deutlich gewandelt: Familien können bei der Erziehung heute durch gestiegene Mobilitäts- und Flexibilitätsanforderungen nicht mehr ohne weiteres auf ein dichtes Netz aus Verwandtschaft und Nachbarschaft bauen. Viele Eltern sehen sich auf sich allein gestellt. Ihnen geben die Elternbriefe des Arbeitskreises Neue Erziehung e.V., die vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend gefördert werden, Rat und Unterstützung.
Am heutigen Freitag überreichen Bundesfamilienministerin Renate Schmidt und Nordrhein-Westfalens Familienministerin Birgit Fischer den 100-millionsten Elternbrief an eine Mutter aus Köln - stellvertretend für alle Eltern in Deutschland. Die Ministerinnen übergeben der Mutter eines Kindergartenkindes und zweier Heranwachsender in Düsseldorf zudem zwei neue Elternbriefe zu "Familie in der Pubertät".
"Die meisten Eltern tun alles dafür, damit es ihren Kindern gut geht. Aber nahezu alle Eltern haben heute Fragen zur Erziehung. Die Elternbriefe sind ein Baustein, um Eltern stark zu machen in der Erziehung ihrer Kinder. Denn stabile Familien bieten Kindern die besten Chancen im Leben", so die Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, Renate Schmidt. Zugleich betonte sie: "Wir müssen mit mehr Beratungsangeboten auf die Familien zugehen, weil gerade sozial schwache Familien zu selten zur herkömmlichen Familien- und Erziehungsberatung kommen. Elternbriefe sind ein Weg, die Erziehungskompetenz zu stärken. Sie ergänzen die Angebote zugehender Beratung für Eltern. Diese Angebote werden zukünftig an Bedeutung gewinnen."
Rund 3,5 Millionen Elternbriefe werden pro Jahr durch rund 200 Jugendämter in allen Bundesländern kostenlos an ca. 500.000 Mütter und Väter versendet. Die 46 Elternbriefe, die von der Geburt bis zur Pubertät reichen, und drei Sonderelternbriefe umfassen, informieren Eltern über die Entwicklung und Erziehung ihres Kindes. Passend zum Alter des Kindes, werden die Elternbriefe mit der Post direkt nach Hause geschickt. Die Texte sind leicht verständlich gehalten: Sie geben Eltern Rat zur jeweiligen Entwicklungsphase ihres Kindes und weisen auf weitere Erziehungsangebote und -anlaufstellen hin. 13 Elternbriefe widmen sich in zwei Sprachen - Türkisch und Deutsch - den besonderen Fragen von Migranteneltern. Das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend fördert die Publikation mit (BMFSFJährlich 155.000 Euro. Die Elternbriefe gibt es bereits seit 1974. Mit der Zeit haben sich auch die Inhalte der Elternbriefe gewandelt; sie wurden im Zeitverlauf an veränderte Rahmenbedingungen von Familien angepasst.
"Mit bisher 40 Millionen Elternbriefen hat das Land Nordrhein-Westfalen an der heute gefeierten Erfolgsziffer einen ganz erheblichen Anteil. In 79 Städten und Gemeinden des Landes NRW - von Aachen bis Bielefeld, von Olpe bis Rheine - bekommen Eltern die Briefe in Sachen Erziehung. Die Kosten für den Elternbrief selbst übernimmt das Landesfamilienministerium NRW, in diesem Jahr insgesamt 170.000 Euro. Lediglich die Zustellungskosten tragen die Jugendämter. Eine Investition, die sich lohnt, denn nicht nur die Eltern profitieren, sondern auch das Jugendamt, das die Briefe verschickt", erklärte NRW-Familienministerin Birgit Fischer. Fischer: "Elternbriefe haben eine Brückenfunktion: Weil sie mit viel Verständnis für die elterlichen Sorgen und Nöte geschrieben sind, bauen sie Hemmschwellen gegenüber dem Jugendamt ab und schaffen Akzeptanz."
Dass das Vertrauen, das Eltern den Elternbriefen gegenüber entwickeln, auf die absendenden Jugendämter übertragen wird, zeige die deutlich gestiegene Resonanz der Eltern auf regionale Bildungs- und Beratungsangebote, die den Elternbriefen beigelegt wurden, so Familienministerin Fischer. So habe beispielsweise das Jugendamt in Essen mit großem Erfolg die Elternbriefe als Instrument auf dem Weg zur "Familienfreundlichen Kommune" genutzt, indem es Elternbriefempfänger über Zugangsbedingungen und Qualität städtischer Angebote befragt habe, um diese bedarfsgerecht zu steuern.